Lerne zu verzeihen und loszulassen

Wie du lernst zu vergeben und loszulassen

Wahrscheinlich ging es dir auch schon einmal so, dass dir jemand Unrecht getan hat, dich verletzt hat oder dass du eine schmerzvolle Trennung durchgemacht hast.

Und als wären diese Momente oder Situationen nicht schon schmerzhaft genug, halten wir oft daran fest und lassen sie für eine lange, lange Zeit nicht mehr los.

Sobald wir darauf angesprochen werden ist er wieder präsent, der Moment, der Schmerz, der Groll und die Wut, die uns damit verbindet.

Wir versuchen diese Momente gerne totzuschweigen und einfach zu vergessen.

Das Ding ist nur: Diese Momente, in denen wir so verletzt wurden, dass wir eine Narbe davontragen, kann man nicht so einfach vergessen.

Diese Momente werden wir so oft wieder erleben, bis wir denen, die uns die Wunden zugefügt haben vergeben und sie und das Geschehene loslassen.

Warum es so wichtig ist zu vergeben

Was ich an dieser Stelle klarstellen möchte ist: Du vergibst den Menschen nicht ihretwegen, sondern deinetwegen.

Solange du wütend, sauer oder verärgert über eine andere Person bist, schleppst du das die ganze Zeit mit dir herum. Gerade Hass – ein sehr hässliches aber starkes Gefühl – bedeutet eben, dass du immer noch „Gefühle“ für diese Person hast, die dir vielleicht einst so geschadet hat.

Vergeben heißt weder vergessen, noch sich zu versöhnen, es bedeutet lediglich die Vergangenheit endlich loszulassen und Frieden zu schließen, und zwar in deinem Inneren.

Indem du lernst denen zu vergeben, die dir geschadet haben, lässt du sie auch los und befreist dich von diesen ganzen hässlichen Gefühlen.

Denn wenn du nicht vergibst und diese Person, die dir nicht gut tut vielleicht nicht loslassen kannst, blockierst du dich selbst und damit auch dein Glück.

Du verschwendest deine wertvolle Zeit, Energie und Kraft an diese Person, statt etwas Tolles damit anzustellen.

Halte keinen Menschen der dir schadet in deinem Leben!

Denn die Sache ist (und glaube mir ich kenne diese Menschen, die dich auf die Palme bringen, wenn du nur den Namen hörst *grrrr*), solange du wütend auf diese Person bist oder ein Gräuel gegen sie hegst, hat diese Person eine gewisse Macht über dich! Ob dir das gefällt oder nicht!

Noch schlimmer ist, dass du dir den Kopf zerbrichst, immer und immer wieder die Situationen in Gedanken durchgehst, wie du der Person mal so richtig den Marsch bläst und dich immer mehr da reinsteigerst. Die Person, um die es geht, bekommt davon nicht einmal etwas mit!

Die sitzt vielleicht gemütlich zu Hause, vorm Fernseher, trinkt ein Gläschen Wein und lässt es sich gut gehen.

Und du verschwendest gerade deine Lebenszeit damit, diese Person innerlich in der Luft zu zerreißen! Du bringst dich in Rage und verschwendest deine Zeit.

Dazu kommt noch, dass wir damit unserer Gesundheit schaden. Denn die dauernde Anspannung und diese hässlichen Gefühle haben ebenfalls eine Auswirkung auf unseren Körper.

Oft sind Kopf-, Magenschmerzen und Schlafstörungen die Folgen.

Buchtipp: Ich will ja loslassen, doch woran halte ich mich dann fest?*

Was es dir bringt zu vergeben

Finde inneren Frieden durch Vergebung
Fotocredit: Jonathan Meyer on Unsplash

Zu vergeben und loszulassen ist nicht leicht – ganz im Gegenteil, es handelt sich hierbei meist um einen längeren Prozess, der dich viel Kraft kostet.

Aber auf lange Sicht gesehen kannst du davon nur profitieren.

Denke immer daran, vergeben hat nichts mit Schwäche zu tun, ganz im Gegenteil, es ist eine Charakterstärke, die nur wenige Menschen besitzen, die man aber erlernen kann.

Wenn du lernst zu vergeben und loszulassen tust du dir in erster Linie selbst etwas Gutes, denn du …

  • lernst dabei dich von unnötigem Ballast in deinem Leben zu befreien
  • … hörst auf in der Vergangenheit zu leben und kannst die Zeit fürs hier und jetzt, sowie deine Zukunftsplanung nutzen
  • … lernst Fehler als Lehrer anzusehen und daraus zu lernen
  • entwickelst dadurch einen starken Charakter
  • … lernst negatives loszulassen und positives festzuhalten

Welche Fragen du dir stellen solltest

Die Frage, die du dir wirklich stellen solltest, lautet: „Bist du bereit loszulassen?

Manchmal wollen wir auch noch gar nicht loslassen, weil wir noch nicht bereit dazu sind und innerlich hoffen, dass sich vielleicht doch noch etwas an der Situation ändern wird.

Fakt ist: Die Vergangenheit lässt sich leider nicht mehr ändern.

Um mit dem Prozess des Vergebens und des Loslassens zu beginnen, solltest du dir die folgenden Fragen stellen, um die Situation besser beurteilen zu können.

  • Welche Rolle spielt diese Person aktuell in meinem Leben?
  • Ist sie noch präsent?
  • Habe ich die Sache objektiv genug betrachtet oder habe ich mich da blind vor Wut reingesteigert?
  • Bedeutet mir die Person immer noch etwas, sodass ich sie vielleicht versuche mit meinem Gräuel gegen sie in meinem Leben zu halten?
  • Bin ich bereit, dieser Person das was sie mir angetan hat zu vergeben, um inneren Frieden zu schließen?
  • Welche Bedürfnisse stecken vielleicht noch hinter meinen Gefühlen?

Manchmal wird uns bei so einer Reflektion erst bewusst, warum wir so lange daran festgehalten haben.

Und jetzt noch eine Frage, die deinem Ego ganz und gar nicht gefallen wird.

Bereit?

Stell dir einmal die Frage: „Was habe ich zu dieser Situation beigetragen?

Uhhhhh – spätestens jetzt tanzt dein Ego Samba: „Was für eine Unverschämtheit! Ich werde schlecht behandelt und dann soll ich auch noch Schuld dran haben!“

Aber darum geht es gar nicht.

Manchmal reicht es allein anzuerkennen, dass wir es zugelassen haben, dass uns jemand so behandelt hat.

Und es ist wichtig hierfür die Verantwortung zu übernehmen, es anzuerkennen, daraus zu lernen und es in Zukunft anders zu machen.

Wie du vergeben kannst

Wie du vergeben kannst - 3 Schritte
Fotocredit: Amy Shamblen on Unsplash

Schritt 1

Versuche die eine Sache zu finden, in der dir diese Person im Leben weitergeholfen hat.

  • Was hast du von dieser Person gelernt?
  • Etwas was du vorher noch nicht wusstest?
  • Hast du durch sie neue Leute kennengelernt?
  • Oder hat sie dich bewegt etwas zu tun?

Nimm für einen Moment lang deine Wutbrille ab und überlege mal, was hat diese Person dir vielleicht gegeben oder was hat diese Person in deinem Leben bewegt.

Meist treffen wir auf Menschen aus einem Grund. Und wenn es nur ist, dass wir lernen, was wir nicht im Leben wollen, dann bringt uns das auch weiter in die Richtung zu dem, was wir wollen. Also war es somit gut für etwas.

Schritt 2

Mache dir bewusst, dass die Person ihr bestmöglichstes getan hat.

Hätte sie anders handeln können, hätte sie es vermutlich getan, aber das war alles, was sie in diesem Moment, in dieser Zeit tun konnte.

Sie war mit der Situation vielleicht selbst total überfordert oder es ist ihr einfach alles aus den Händen geglitten.

Schritt 3

Wähle ein Ritual, um mit dieser Person abzuschließen.

Das Schöne hierbei ist, dass die Person dazu nicht anwesend sein muss.

Es gibt verschiedene Methoden, die du dazu nutzen kannst. In diesem Artikel zum Thema Rituale findest du einige davon, die dir dabei helfen werden.

Was gehört noch dazu?

Selbstreflektion

Noch eine andere Sache, die ich dir in dieser Hinsicht ans Herz legen möchte.

Es geht nicht nur darum, dass wir anderen Menschen verzeihen.

Wir dürfen uns auch gerne mal die Frage stellen, mit wem bin ich denn in letzter Zeit eventuell nicht so nett umgegangen oder noch viel schlimmer, wem habe ich denn eventuell wirklich Unrecht getan.

Wir haben alle mal schlechte Tage, an denen wir genervt sind und deswegen z.B. die Dame an der Kasse oder im Restaurant anraunzen.

Wir benehmen uns auch manchmal so und zwar auch oft den Personen gegenüber, die uns am meisten bedeuten.

Und nur, weil diese Person uns in diesem Moment vielleicht nicht genauso zurück anraunzt, bedeutet das nicht, das wir im Recht sind.

Ich muss leider gestehen, dass mir das auch ab und an mal passiert und dass es mich dann echt Überwindung kostet zu der Person zu gehen und mich dafür zu entschuldigen.

Zum einen, weil es eine echt unangenehme Situation ist und zum anderen, weil unser Ego uns versucht davon abzuhalten: „Die ist doch selbst dran schuld ….“

Lesetipp: Selbstreflexion: Der Schlüssel zu dir selbst

Wertschätzung

Ich habe es oft genug in der Hotellerie erlebt, dass mich die Gäste nur weil sie einen schlechten Tag hatten, an der Rezeption zur Schnecke gemacht haben.

Ganz wenige kamen dann später zu mir und haben sich für ihr Verhalten entschuldigt und mir gesagt, dass es nicht an mir lag, sondern dass sie einen schlechten Tag hatten und es nicht in Ordnung war, so mit mir gesprochen zu haben.

Äußerlich ist man natürlich professionell geblieben: „Ach, das ist doch gar kein Problem, das geht uns allen doch mal so!“ Aber innerlich ging das runter wie Butter.

Denn das ist Wertschätzung, die man der anderen Person entgegenbringt und die tut jedem gut.

Ich weiß, dass es nicht einfach ist, aber vielleicht hast du auch jemanden in deiner Umgebung, dem du mit deiner Art und Weise weh getan hast.

Und wenn wir mal ganz ehrlich sind – wir wissen schon ganz genau, wann wir im Unrecht sind und wann nicht.

Loslassen was dir nicht gut tut

Loslassen was dir nicht gut tut
Fotocredit: Yoann Boyer on Unsplash

Zu guter Letzt, wo wir schon bei dem Thema „Verzeihen ist nicht versöhnen“ sind.

Du darfst auch gerne mal von Zeit zu Zeit deinen Freundes- und Bekanntenkreis aussortieren, so wie du auch deinen Kleiderschrank aussortierst!

Das klingt jetzt zuerst vielleicht ein bisschen hart – ist aber so befreiend.

Du solltest dich fragen, ob die Menschen, mit denen du dich umgibst, wirklich Menschen sind, die dir gut tun.

Sollte dies der Fall sein, dann freue ich mich mega für dich, denn das ist das, was dich im Leben mit am meisten stärken wird.

Leider tragen wir nur zu oft kaputte Beziehungen mit uns herum, die sich auch nicht mehr reparieren lassen.

Und warum das Ganze? Weil wir z.B. die Gute doch schon seit der Kindheit kennen oder weil wir doch früher so gut miteinander befreundet waren oder, oder, oder.

Wir entwickeln uns aber ständig weiter, es gibt keinen Stillstand und vielleicht hat die Person ja damals gut zu dir gepasst, heute aber nicht mehr. Und da brauchst du dich auch gar nicht schlecht oder schuldig zu fühlen.

Die Rede ist von Menschen, die nie Zeit für dich haben, es sei denn, sie haben gerade sonst nichts zu tun. Personen, die dir dein Glück nicht gönnen, die sich nur für dich freuen, wenn sie auch davon profitieren. Leute, mit denen du einfach keine Gemeinsamkeiten mehr hast, geschweige denn ein gescheites Gespräch hinbekommst, etc.

Ich kann nur sagen, dass ich in den letzten Jahren ein paar „Faule Eier“ (oder auch sogenannte „Energie Vampire“) aussortiert habe, ihnen für mich auf meine Weise verziehen und sie dann gehen lassen habe.

Das war wie ein riesiger Befreiungsschlag!

Es ist als wäre eine enorme Last von mir abgefallen. Ich muss mir auch keine Ausreden mehr einfallen lassen, warum ich diese Person nicht sehen möchte oder warum ich mal wieder keine Zeit für sie habe.

Man sagt ja, du bist die Summe von den 5 Menschen mit denen du dich am meisten umgibst – Also vielleicht möchtest du dir mal überlegen, wer das ist und ob du wirklich die Summe der 5 sein möchtest, die es aktuell bei dir sind.

Du musst ja nicht gleich alle aussortieren… Zu Beginn reicht es, dir wirklich den engen Kreis der Fünf zu definieren.

Wer sind die 5 Personen in deinem Leben, bei denen du sagen würdest: Ich wäre stolz darauf die Summe aus diesen 5 Menschen zu sein?

Mit denen solltest du am meisten Zeit verbringen.

Lesetipp: Ausmisten – Befreie dich von Dingen, die dich nicht glücklich machen

Fazit

Wow, das war jetzt doch eine ganze Menge und ganz schön intensiv. Ich hoffe, du konntest einiges daraus für dich und dein Leben mitnehmen.

Wie immer gilt auch hier: Veränderung ist ein Prozess und passiert nicht über Nacht – Es braucht Zeit.

Wir können unser Verhalten nicht schlagartig ändern, aber wir können daran arbeiten und durch kleine Schritte dafür sorgen, dass wir uns tagtäglich dem Verhalten nähern, dass wir gerne annehmen möchten.

Beginne langsam und suche dir kleine Challenges, die du bewältigen kannst und die dich motivieren am Ball zu bleiben.

Dann kannst du dich langsam steigern und ehe du dich versiehst, ist die Art wie du damit umgehst zur festen Gewohnheit geworden.

Ich wünsche dir wirklich von Herzen, dass es dir gelingt, denn solche Blockaden, wie oben beschrieben, können uns im Leben wirklich zurückhalten und dafür sorgen, dass wir auf der Stelle treten.

Gib dir einen Ruck und probier es einfach mal aus.

Beginne heute noch damit und stell dir die Frage: „Wem möchte ich heute vergeben, um ihn loszulassen?“ Das kann auch ganz banal jemand sein, der dich in der Stadt fast über den Haufen gerannt hat, im Geschäft einen blöden Kommentar abgelassen hat, etc.

Oder frage dich: „Wen möchte ich heute für mein Verhalten um Verzeihung bitten?“

Und dann tu es einfach!

Halte dir vor Augen: „Wenn du vergibst, änderst du nicht die Vergangenheit, du veränderst die Zukunft.

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei.

Deine Julie

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